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aus: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 03.08.2014 von Ralph Patscheider
 

Die Angst vor der Hilfe besiegt

Frau holt sich im „Ambulant betreuten Wohnen“ neue Kraft, ihr Leben zu meistern

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Ein gestörtes Verhältnis zu Mitmenschen, Panikattacken, Depressionen – psychischen Störungen können vielfältiger Natur sein und verschiedenste Ursachen haben. Die Fälle nehmen zu. Inzwischen gibt es aber auch ein Netz von Hilfsangeboten, wie es zum Beispiel das Sozialpsychiatrische Zentrum in Illertissen spannen kann und dies auch erfolgreich tut.

Foto: Alexander Kaya

 

„Dann habe ich einfach das ABW gekündigt“, beschreibt die immer noch junge Frau und Mutter dreier Kinder den Moment, als sie sich endgültig entschlossen hatte, ihr Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Davor ist es, wie sie sagt, gut gelaufen – in der Ehe, mit den Kindern und der neuen Arbeit. Selbst das lange Zeit zerrüttete Verhältnis zu den Eltern habe sich deutlich gebessert. Das Hilfsangebot des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) hatte sie offiziell beenden müssen, weil es unter anderem vom Bezirk Schwaben bewilligt wurde. Schwergefallen war es der jungen Frau allemal, denn Sozialpädagogin Monika Radons ist am Schluss nicht mehr nur professionelle Betreuerin, sondern echte Freundin gewesen. Gemeinsam hatten sie bei gesundheitlichen Krisen lange Gespräche geführt, den Haushalt organisiert, waren gemeinsam und planvoll einkaufen gegangen, haben Behördengänge erfolgreich gemeistert. So erlaubte zum Beispiel das Jugendamt, dass die Kinder wieder in die Obhut von Mutter und Vater zurückkehren durften.

Das junge Paar hatte sehr früh geheiratet. Wohl aus Liebe. Aber schon bald stellten sich Probleme ein. Drogen waren ständige Begleiter, finanzielle Probleme gesellten sich zwangsläufig hinzu. Kurz nach der Geburt der ersten Tochter landete die Mutter in der Klinik. Nach der Entlassung wieder Streit in der Ehe, wieder Drogen. 2006 wollte sich die Frau das Leben nehmen. „Hilfe habe ich damals nicht an mich herangelassen“, erinnert sie sich. Die Diagnose war gestellt: Die Patientin leidet an einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung. Früher nannte man das auch Borderline-Syndrom. Menschen, die daran leiden, fühlen etwa innere Leere, können ihre Gefühle in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht steuern und neigen sogar dazu, sich selbst schlimme Verletzungen zuzufügen.

„So extrem war es bei mir nicht“, erklärt die Frau. Aber die Krankheit hatte auch bei ihr Folgen. Inzwischen waren drei Kinder auf der Welt und das Jugendamt entzog dem Paar das Sorgerecht. Der Verlust der Kinder brachte die Kehrtwende. Nach einem weiteren Klinikaufenthalt 2009 willigte die junge Mutter in ein Info-Gespräch über mögliche Hilfsangebote ein. Heute ist sie glücklich darüber.

Im Illertisser SPZ fand sie ab 2010 ein Netz an Hilfe vor: Die Drogenberatungsstelle DrobInn bietet dort Sprechstunden an, bis vor Kurzem auch die psychiatrische Institutsambulanz, die kürzlich eingestellt wurde, weil die Kassen nicht mehr dafür aufkommen. Außerdem gibt es die Tagesstätte, die Menschen mit verschiedensten psychischen Problemen offen steht, und eben das Ambulant betreute Wohnen. Etwa 20 Personen wurden und werden vom SPZ dauerhaft auf diese Weise betreut. ABW bedeutet nicht Vollversorgung und Pflege. Die Klienten wohnen in ihren eigenen vier Wänden und werden dort von ihren Betreuern besucht. Die Anzahl der Betreuungsstunden muss beim Bezirk Schwaben beantragt werden. Zusammengefasst bedeutet ABW Unterstützung bei der Alltagsbewältigung und Förderung der lebenspraktischen Fähigkeiten.

Bei der dreifachen Mutter aus dem Ort bei Illertissen hat das gegriffen. Wegziehen möchte sie dort nicht mehr. Denn von denen, die über sie und ihre Krankheit Bescheid wüssten, habe sie große Unterstützung erfahren. Wegen ihrer Krankheit nimmt sie im Bedarfsfall psychiatrische Hilfe in Anspruch und ihre Ehe beschreibt sie so: „Wir sind mittlerweile wieder glücklich.“ Ein Familienurlaub steht bevor.

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