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aus: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 16.07.2014 von Till Hofmann
 

Bezirkskliniken: Kassen zahlen nicht mehr für Psychiatrie-Angebot

Die schwäbischen Bezirkskliniken bieten ab sofort keine Außensprechstunden für psychisch kranke Menschen mehr an. Grund dafür ist ein Streit der Kliniken mit den Krankenkassen

Die Bezirkskliniken Schwaben verfügen an sieben Standorten in der Region über sogenannte Psychiatrische Institutsambulanzen. In Günzburg, Lindau, Donauwörth und den vier kreisfreien Städten Augsburg, Kempten, Kaufbeuren und Memmingen werden psychisch kranke Menschen behandelt – auch mit dem Ziel, eine stationäre Unterbringung zu vermeiden.

Das hat offenbar nicht ausgereicht. Um Patienten näher sein zu können, die nicht mobil sind, wurden an weiteren Standorten – unter anderem in Ursberg, Schwabmünchen, Wertingen und Füssen – „Außensprechstunden“ angeboten; mit einem „multiprofessionellen Team“, wie Thomas Düll, der Vorstandsvorsitzende der Bezirkskliniken Schwaben, sagt. Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Pflegekräfte beschäftigten sich mit den Hilfe suchenden Menschen.

Seit gut zwei Wochen gibt es kein Geld

Seit 1. Juli ist das jenseits der Institutsambulanzen, die den Kliniken angegliedert sind, nicht mehr so. Denn die Bezirkskliniken hätten rechtlich ihre Außensprechstunden, die sie seit einigen Jahren anbieten, gar nicht abrechnen dürfen. Sie dürfen nicht darüber entscheiden, wo es Bedarf für Behandlungen gibt und wo nicht. Dr. Sergej Saizew, der für die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern spricht, wundert sich über die „Geheimniskrämerei“ der Bezirkskliniken. Jahrelang sei den Kassen das nicht gemeldet worden. Sie hätten für Leistungen bezahlt, „für die eine gesetzliche Grundlage fehlt“. Seit 1. Juli gibt es kein Geld mehr – ebenso wenig wie die Außensprechstunden.

Ob die Kassen Zahlungen zurückfordern, die zu Unrecht an die Bezirkskliniken geflossen sind, konnte Saizew gestern nicht sagen. „Da ist vieles noch nicht geklärt.“

Düll betont die gute Absicht, die hinter den Außensprechstunden steckt. „Es hat damit begonnen, dass uns allgemeine Krankenhäuser darum gebeten haben, Menschen mit psychiatrischen Auffälligkeiten mit zu behandeln“ – etwa die Gerontopatientin mit Oberschenkelhalsbruch, die nächtelang Lieder singt. „Und auch ein Schizophrener kann sich den Arm brechen.“ Die Nachfrage sei immer größer geworden, sodass man sich zu diesem Schritt entschlossen habe. Düll weiß, „dass wir uns in einem rechtlichen Graubereich bewegen“. Aber ihm sei wichtig gewesen, psychisch Kranken best- und schnellstmögliche Hilfe anzubieten und stationäre Einweisungen zu vermeiden. Die „Bettenmessziffer“ in Schwaben – also die Zahl der Betten pro 1000 Einwohner – sei mit 0,57 in der Psychiatrie in Bayern unübertroffen und liege auch bundesweit mit an der Spitze.

Ein Arzt aus dem Raum Dillingen brachte die Sache ins Rollen

Bekannt wurden die ungesetzmäßigen Abrechnungen durch einen Psychotherapeuten aus dem Raum Dillingen, der mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) wegen seines überzogenen Budgets im Clinch lag. Die KV solle lieber mal den Bezirkskliniken auf die Finger schauen, riet er.

Eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht. Dennoch gibt sich Saizew zuversichtlich: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

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