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aus: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 21.01.2014 von Michael Böhm
 

Karriere nach der Förderschule

Der Integrationsfachdienst in Neu-Ulm versucht, förderbedürftige Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. Wie das gelingen kann, zeigte nun ein 19-Jähriger

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Valdrin Abazi bei der Arbeit in der Abteilung für Computer-Zubehör
 Auch die Kundenberatung zählt zu den Aufgaben des 19-Jährigen.

Foto: Alexander Kaya

Etwas ratlos steht der Kunde da zwischen all den Druckern. Tintenstrahl? Laser? Farbig oder doch nur schwarz-weiß? Wenige Meter von ihm entfernt steht Valdrin Abazi und hat das Problem seines Kunden bereits erkannt. Schnellen Schrittes eilt er zu dem offensichtlich überforderten Mann und hilft ihm aus der misslichen Lage. Valdrin Abazi kennt sich mit Druckern aus und die Abteilung mit Computer-Zubehör im Neu-Ulmer Media-Markt ist sein Revier. Seit einigen Wochen ist der 19-Jährige hier fest angestellt – und hat damit etwas geschafft, was nur wenigen seiner früheren Mitschüler gelingt.

Abazi besuchte in den vergangenen Jahren die Lindenhofschule in Senden, ein privates Förderzentrum, das sich um Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen in der geistigen Entwicklung bemüht. Die meisten von ihnen finden nach der Schulzeit einen Platz in einer der Lebenshilfe-Werkstätten in der Region. Für den „ersten Arbeitsmarkt“ sind sie oftmals nicht geeignet. Valdrin Abazi wollte sich damit nicht abfinden.

Schon die Bewerbung stach aus der Masse heraus
Im Rahmen der Fördermaßnahme „Übergang Förderschule – Beruf“ des Freistaates Bayern in Kooperation mit der Agentur für Arbeit schnupperte Abazi mit mehreren Praktika schon einmal für ein paar Wochen in unterschiedlichste Unternehmen und Berufe. Doch schnell stellte sich heraus: Er will zu Media-Markt. Computer und alles, was dazu gehört, faszinierten ihn schon lange – also warum nicht das Hobby zum Beruf machen?

Bei Elisabeth Rissing sorgte das für gemischte Gefühle. Einerseits war die Sozialarbeiterin des Neu-Ulmer Integrationsfachdienstes erfreut über die Begeisterung ihres Schützlings. Anderseits hatte sie „etwas Bauchschmerzen“, ihn in ein so großes Unternehmen zu schicken, erinnert sie sich. Denn dort bestehe aus ihrer Erfahrung heraus die Gefahr, dass die einstigen Förderschüler mit ihren Schwächen schnell untergehen und nicht die Unterstützung erhalten, die eigentlich notwendig wäre, um sie im Arbeitsalltag zu integrieren. Doch Valdrin Abazi und sein jetziger Arbeitgeber belehrten sie eines Besseren.

„Wir waren von Anfang an begeistert von Valdrins Neugier, seinem Pflichtbewusstsein und seinem Engagement“, schwärmt Ausbildungsleiterin Agnieszka Bialas. Schon die saubere und gewissenhafte Bewerbung Abazis für ein anfängliches Praktikum habe aus der Masse der unzähligen Bewerbungen herausgestochen. Sein späteres Auftreten und seine Arbeitseinstellung passten dann ins Bild. „Er hat sich sehr gut in unser Team integriert und es hat sich sehr schnell gezeigt, dass er viel mehr kann als nur Drucker in die Regale räumen“, erklärt Jörg Behrens, Geschäftsführer der hiesigen Filiale des Elektro-Riesen.

So kamen von Woche zu Woche immer mehr Aufgaben hinzu, mit der Hilfe der Kollegen entwickelte sich Abazi bald zu einem „sehr routinierten Mitarbeiter“, wie es Behrens beschreibt. Nachdem schließlich der Praktikumsvertrag mehrmals verlängert wurde, entschlossen er und Ausbildungsleiterin Bialas schließlich, Valdrin Abazi einen unbefristeten Vollzeit-Vertrag anzubieten: „Er hat uns von sich überzeugt, daher fiel uns diese Entscheidung nicht schwer.“ Für den 19-Jährigen wurde so ein Traum war und auch Elisabeth Rissing vom Integrationsfachdienst war glücklich: „So etwas funktioniert nicht jedes Mal. Aber wenn sich beide Seiten bemühen, der Schüler für die Aufgaben geeignet ist und der Arbeitgeber ihm eine echte Chance gibt, kann Inklusion gelingen.“

Für Valdrin Abazi spielt derweil das Thema Inklusion gar keine große Rolle mehr. Er kümmert sich lieber um den nächsten ratlosen Kunden, der zwischen all den Druckern herumirrt.

 

Das Projekt

  • Das Projekt „Übergang Förderschule – Beruf“ wird bayernweit an Schulen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung angeboten.
     
  • Ziel ist es, Schülern mit Förderbedarf den Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu eröffnen.
     
  • Zielgruppe sind diejenigen, die bisher in die Werkstatt für behinderte Menschen eingetreten waren, sich mit entsprechender Unterstützung jedoch voraussichtlich auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt hätten behaupten können.
     
  • Hierfür kooperieren Integrationsfachdienst, Förderschulen und Arbeitsagenturen sowie die beteiligten Ministerien, Integrationsämter, Schulverwaltungen, Bayerische Bezirke und Werkstätten.

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