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aus: Augsburger Allgemeine vom 25.10.2012

 

Asylbewerbern schlägt Skepsis entgegen

 Zwölf Asylbewerber leben seit dieser Woche in einer Pension in Deffingen.
Insgesamt sollen es mehr als 30 Menschen werden.

Unmöglich und nicht hinnehmbar, sagen viele Anwohner.

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In dieser Pension in Deffingen sind zwölf Asylbewerber aus Serbien und Mazedonien untergebracht.

Alles ist ruhig in Deffingen. Hier und da hört man Kühe. Autos und Traktoren fahren ihres Weges. Doch hinter den Fassaden brodelt es. Denn in dieser Woche wurden zwölf Asylbewerber in eine Pension einquartiert. Nötig und unausweichlich, sagt das Landratsamt. Unmöglich und nicht hinnehmbar, sagen viele Deffinger. Vor allem die Skepsis, was denn das für Leute seien, wird im Gespräch mit den Bürgern deutlich. Sie fühlen sich überrumpelt und vor allem ungefragt.

Es laufen weitere Gespräche mit Vermietern

Beim Landratsamt Günzburg kennt man die Situation, wird aber selbst von der Regierung von Schwaben vor vollendete Tatsachen gestellt. „Wir wissen maximal sieben Tage vorher, wer wann woher kommt. Wenn wir Pech haben, erfahren wir es erst zwei Tage vorher“, sagt der stellvertretende Leiter für soziale Angelegenheiten Martin Zähnle. Die Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung von Schwaben in Leipheim und Edelstetten seien voll belegt. Deshalb habe der Landkreis die 30 Plätze in Deffingen angemietet.

Die Hoffnung der Dorfbewohner, dass es bei zwölf Asylbewerbern bleibe, nimmt Zähnle: „Wir müssen dafür bezahlen, also werden wir voll belegen.“ Bis Ende des Jahres rechne der Kreis mit etwa 40 Asylbewerbern, die er unterbringen muss. Darüber, ob den Vermietern für die Aufnahme eine höhere Miete bezahlt werde, darf Zähnle keine Auskunft geben. Man suche allerdings immer eine günstige Lösung, sagt er. Es laufen im Moment auch weitere Gespräche mit Vermietern.

Frühzeitige Information sei nicht möglich

Deutlicher wird Karl-Heinz Meyer, Pressesprecher der Regierung von Schwaben: „Es stimmt nicht, dass höhere Mieten gezahlt werden, wir orientieren uns am Verkehrswert.“ Momentan sei man seitens der Regierung intensiv auf der Suche nach Unterkünften. Dabei achte man auf eine gerechte Verteilung unter Berücksichtigung der bereits aufgenommenen Personen, um die Landkreise nicht über Gebühr zu belasten. Eine frühzeitigere Information sei nicht möglich: „Wir haben auch erst am Montag erfahren, dass 60 Personen in Schwaben untergebracht werden müssen.“

Wie lange die Asylbewerber in ihren Unterkünften verweilen müssen, ist kaum einzuschätzen, weiß die Leiterin der Ausländerbehörde Andrea Schneider. „Die Schicksale sind sehr unterschiedlich, und das Asylverfahren orientiert sich immer am Einzelfall.“ Bei der Entscheidung über Ablehnung oder Annahme des Antrags habe der Landkreis kein Mitspracherecht: „Das entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.“

Bürgermeister: "Bürger haben Angst um dörflichen Frieden"

Das mangelnde Mitspracherecht prangert Deffingens Zweiter Bürgermeister Anton Gollmitzer in einem Schreiben an Landrat Hubert Hafner an. Er habe keinerlei Kenntnis von dem Einzug gehabt und müsse sich nun vorwerfen lassen, nichts dagegen getan zu haben. „Die Bürger haben Angst um den dörflichen Frieden, denn gerade in einem kleinen Dorf wie Deffingen wirkt das wie ein Fremdkörper, wenn auf einmal bis zu 32 Asylbewohner kommen“, schreibt Gollmitzer. Außerdem wolle der Vermieter ohne Rücksicht auf die Mitbürger nur das schnelle Geld. Er plädiert an Hafner, die Zahl der Asylbewohner so gering wie möglich zu halten.

Die Bürger geben Gollmitzer größtenteils recht, wollen ihre Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen. „Mich stört, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt wurden“, sagt ein Deffinger. „Wir haben Angst, dass schwarze Schafe dabei sind“, erklärt eine Bürgerin. Sie wolle abwarten, denn die Vergangenheit zeige, dass es auch positive Erfahrungen gibt: „Damals, als die Flüchtlinge kamen, hat sich gezeigt, dass das ganz fleißige Leute sind.“

„Man muss dem Ganzen eine Chance geben“, fordert Sabrina Schmidt, Pressesprecherin der Stadt Günzburg. Die Anzahl der Asylbewerber solle aber natürlich in einem gesunden Verhältnis zur Bevölkerung stehen.

 

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