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aus: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 05.04.2014 von Michael Böhm
 

Alkoholsucht: Warum immer mehr alte Menschen zur Flasche greifen

Immer mehr alte Menschen suchen bei der Neu-Ulmer Suchtberatungsstelle bei Alkoholproblemen Hilfe. Die Experten rechnen mit einem weiteren Anstieg und wissen auch, warum.

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Der Griff zur Flasche ist für viele Menschen in höherem Alter der Versuch, aus dem tristen und einsamen Alltag zu entfliehen. Dabei sind gerade ältere Menschen besonders suchtgefährdet.

 

In dieser Geschichte ist Waltraud R. eine fiktive Person. Doch ein Fall wie ihrer ist alles andere als eine Seltenheit. Immer mehr ältere Menschen greifen regelmäßig zur Flasche und geraten so in die Alkoholsucht. „Wir haben seit einigen Jahren die Entwicklung, dass immer mehr Personen ab einem Alter von 60 Jahren zu uns kommen. Wir gehen davon aus, dass die Zahlen auch in Zukunft weiter steigen werden“, sagt Renate Janik. Sie ist Psychologin und Leiterin der Suchtberatung des Diakonischen Werks in Neu-Ulm.
Suchtmittel wirken bei Älteren schneller

Ältere Menschen seien aus mehreren Gründen besonders gefährdet, süchtig zu werden. Da spiele die Lebenssituation eine Rolle, das gefährliche Zusammenspiel von Alkohol und ärztlich verordneten Medikamenten, aber auch die körperliche Verfassung. „Suchtmittel schlagen bei älteren Menschen schneller und intensiver an als bei jüngeren“, weiß Janik. Oftmals erkennen jedoch Betroffene wie auch Angehörige erst zu spät, dass der Alkohol im Alltag ein Problem ist. „Symptome wie Vergesslichkeit, Schwindel oder häufige Stürze werden gerne auch als normale Folgen des Alters abgetan“, sagt Janik.

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Renate Janik leitet die Suchtberatung
des Diakonischen Werks in Neu-Ulm.

Dazu falle es vielen Menschen schwer, sich selbst einzugestehen, ein Alkoholproblem zu haben – das gelte jedoch für Süchtige aller Altersklassen. Und auch für die Angehörigen ist es oft nicht leicht, mit der Situation umzugehen. „Da spielen Scham und Schuldgefühle eine Rolle, obwohl die Angehörigen selbst gar nichts dafür können“, erklärt Janik. Oft fühlten sie sich alleine gelassen. „Viele kapseln sich von ihrem sozialen Umfeld ab, weil sie nicht wollen, dass irgendjemand etwas davon mitbekommt.“
Immer mehr Glücksspiel-Süchtige

Doch das sei meist genau der falsche Weg. „Eine Sucht ist eine Krankheit und die kann behandelt werden“, sagt Janik. Und genau dafür gebe es spezialisierte Anlaufstellen, wie beispielsweise die Suchtberatungsstelle in der Eckstraße. Seit März dieses Jahres gibt es dort auch eine „Angehörigengruppe“, bei der sich Angehörige von Menschen mit Suchtproblemen in kleinem Kreise austauschen können. Oft helfe es schon, von anderen zu hören, dass sie ähnliche Probleme hätten, sagt Janik. Einmal wöchentlich trifft sich die Gruppe gemeinsam mit Sozialpädagogin Karola Steiger, das Angebot ist kostenfrei und „auf Verschwiegenheit legen wir größten Wert“.

Doch nicht nur das Thema „Sucht im Alter“ werde immer bedeutender. Auch suchen immer mehr Glücksspielsüchtige die Beratungsstelle auf. Im vergangenen Jahr waren es 89 Menschen und damit 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten von ihnen sind irgendwann der Hoffnung auf schnelles Geld am Spielautomaten verfallen, aber auch Sportwetten entwickeln sich laut der Experten der Diakonie zu einem immer größeren Problem.

„Für die Betroffenen sind Sportwetten kein Glücksspiel. Sie denken, sie sind Experten und wären nicht von Glück abhängig“, sagt Janik. Oft sei das ein Trugschluss: „Es muss immer erst etwas passieren, bis die Betroffenen einsehen, dass sie ein Problem haben. Wenn das Sparschwein des Sohnes geknackt wird, um an Geld zu kommen, wird es vielen bewusst.“

Um diese Fälle kümmert sich im Haus der Diakonie die Sozialpädagogin Christin Krieger. Seit Neuestem bietet sie donnerstags auch in der Nebenstelle in Illertissen Beratungstermine an. „Bei Glücksspielsüchtigen ist es besonders schwer, sie über einen längeren Zeitraum zu betreuen. Viele brechen zu früh wieder ab“, weiß Renate Janik. Doch genau diesem Problem habe sich Krieger als Expertin für Glücksspielsucht angenommen und die steigende Zahl an Kontakten zu Betroffenen und Betreuungen würden für ihre „hervorragende Arbeit“ sprechen.

Zwei Anlaufstellen in Neu-Ulm

  • Die Suchtberatung des Diakonischen Werks in der Neu-Ulmer Eckstraße hilft Menschen mit Alkohol-, Medikamenten-, oder Glücksspielproblemen.
  • Für Drogensüchtige ist die Beratungsstelle “Drob Inn” in der Uferstraße die richtige Anlaufstelle.
  • 603 Menschen haben im vergangenen Jahr den Weg in die Suchtberatung Neu-Ulm in der Eckstraße gefunden. 512 von ihnen kamen wegen Alkoholproblemen, 91 wegen Glücksspielsucht. Sie wurden in 3306 Einzel- und Gruppengesprächen betreut.
  • Mit Renate Janik, Christin Krieger und Karola Steiger arbeiten drei Vollzeitkräfte für die Beratungsstelle. Dazu kommen noch zwei Teilzeitkräfte.
  • Eine Nebenstelle gibt es in Illertissen in der Robert-Koch-Straße.

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