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aus: Neu-Ulmer Zeitung vom 21.03.2013

 

Schöner Beruf, schlechtes Image

 

Ausbildung Für Nadine Märtirer ist Altenpflegerin ein erfüllender Beruf. In manchen Heimen bleiben die Lehrstellen aber unbesetzt. Vor allem die Qualität der Bewerber lässt nach.

Martirer_SZ

Langsam schiebt eine zierliche junge Frau einen Rollstuhl vor sich her. Darin sitzt eine noch zierlichere, allerdings wesentlich ältere Dame. Nadine Märtirer hat vor Kurzem ihre Ausbildung zur Altenpflegerin im Seniorenzentrum Nersingen, einer Einrichtung des Diakonischen Werkes Neu-Ulm, abgeschlossen und betreut gerade die 88-jährige Anna Stumpf.

 

Von der Pflegehelfer über Friseurin zur Altenpflegerin

Märtirer ist 31 Jahre alt. Ihr Weg in die Altenpflege führte sie über einen kleinen Umweg. Nachdem sie ein zweimonatiges Praktikum in einem Altenheim in Burtenbach absolviert hatte, besuchte sie im gleichen Ort die Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe und arbeitete drei Jahre im Altenheim. Doch 2003 konnte sie plötzlich nicht mehr: „Ich hatte eine Zeit lang keine Geduld mehr mit den Bewohnern“, erklärt Märtirer.

Sie ließ sich zur Friseurin umschulen, was schon immer ein Traum von ihr gewesen sei. Von 2003 bis 2005 hieß es für sie waschen, schneiden, legen – bis ihr schließlich bewusst wurde, dass ihr die Altenpflege „total fehlt“, wie sie selbst sagt. „Friseur war einfach nicht so meins. Wenn man einmal in einem Heim gearbeitet hat, erscheinen einem die Probleme, die die Menschen beim Friseur erzählen belanglos.“ Also wechselte sie wieder in ihr altes Tätigkeitsfeld zurück und begann 2006 in Nersingen als Altenpflegehelferin zu arbeiten.

2009 reichte Märtirer aber auch das nicht mehr und sie macht die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin, die sie inzwischen erfolgreich abgeschlossen hat. „ Mir gefällt es sehr gut, auch wenn es ein Beruf ist, der körperlich und psychisch belastend ist. „ Das Schöne sei, dass man viel Dankbarkeit  zurückbekomme, erzählt sie. „Man kann mit den Leuten viel lachen.“ Manchmal müsse man aber auch weinen. Vor allem dann, wenn einer der Bewohner stirbt. „Es geht einem nah, man ist traurig, aber man weiß, er hat es geschafft. Manche wollen es auch so und dann freut man sich für diejenigen.“

Arbeitszeiten und Schichtwechsel machen Märtirer nichts aus

Ihr Privatleben leide nicht unter dem Beruft, sagt die 31-Jährige. Die Arbeitszeiten seien für sie und ihren Verlobten kein Problem und auch der Wechsel von Früh- auf Spätschicht mache ihr nichts aus. Sie kann sich nicht erklären, warum von den vier Ausbildungsplätzen im Seniorenzentrum Nersingen momentan nur zwei besetzt sind. „Mir macht wirklich alles Spaß“, meint sie und zuckt die Achseln.
Einrichtungsleiterin Petra Neubert weiß, woran es vermutlich liegt. Das schlechte Image des Berufs sei schuld. „Pflege wird auf minimal Tätigkeit reduziert, etwa darauf, Menschen zu waschen“ sagt sie. „Das ist es bei Weitem nicht.“ Die Arbeit stelle hohe Anforderungen an die Pflegekräfte. Sie müssten sehr flexibel sein, selbstständig arbeiten können und benötigten ein besonderes Einfühlungsvermögen sowie gute organisatorische und planerische Fähigkeiten. Außerdem sei es ein sehr verantwortungsvoller und vielfältiger Beruf, der einen immer wieder vor neue Herausforderungen stelle. „Altenpfleger ist ein zukunftsorientierter Beruf und ein sicherer Arbeitsplatz“, sagt Neubert. Natürlich gebe es Überstunden und Schichtdienst, aber die Pflege sei nicht der einzige Bereich, in dem das so ist. „Auch in der freien Wirtschaft und im Gaststättengewerbe wird am Wochenende gearbeitet“, meint sie.

Das Thema Ausbildung in der Altenpflege habe aufgrund des demografischen Wandels eine besondere Brisanz. Der Bedarf werde steigen. „Es ist ein Dilemma. Je weniger Auszubildende, umso weniger Pflegestellen können besetzt werden, umso mehr Arbeit bleibt für die Pflegekräfte die da sind“, erläutert Neubert. Um die Lage zu ändern, müsse das Bild des Pflegeberufs in der Öffentlichkeit verbessert werden. Deshalb bietet das Seniorenzentrum Nersingen Schnupperpraktika an und veranstalte regelmäßig einen Tag der offenen Tür.

Öffentlichkeitsarbeit wird auch in der Altenpflege immer wichtiger

Um die zunehmende Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit weiß man auch bei Compassio, einem privaten Betreiber von Seniorendomizilen mit Heimen unter anderem in Ulm, Illertissen und Senden. Im vergangenen Jahr wurde bei Compassio extra eine Personalmarketingstelle geschaffen, die nun von Lisa Prinz besetzt ist. „Die Bewerberzahlen sind gar nicht schlecht. Das Problem ist eher die Qualifikation. Viele Bewerber sind einfach nicht geeignet“, beschreibt sie die Situation. Deshalb wolle sie verstärkt Vorbehalte abbauen. In diesem Sinne vergibt Compassio ebenfalls Praktika, besucht Ausbildungsmessen, geht Bildungspartnerschaften mit Schulen ein und betreibt ein Ausbildungsbotschafterprogramm. Hier gehen Azubis an die Schulen und erzählen von ihren Erfahrungen. Im Gegenzug kommen Schüler in die Heime, um konkrete Einblicke in den Beruf zu erhalten.

Über die Auswahl an Auszubildenden klagt auch Majid Tehran. Er ist Pflegedienstleiter am Ulmer Alten- und Pflegeheim St. Anna Stift. Dort gibt es momentan 13 Azubis. Es würden immer noch genug Bewerbungen eingehen, aber die Zahlen seien rückläufig, berichtet Tehran. Trotzdem sei er noch zufrieden. Ähnlich gestaltet sich die Situation im Seniorenzentrum Clarissenhof. „Manche Zeiten sind schlechten, aber grundsätzlich ist schon Interesse da“, sagt Pflegedienstleiterin Andrea Oswald. „Wichtig ist, dass man ausbildet. Man kann nicht sagen, dass man den Bedarf an Pflegekräften decken kann, wenn man selber nicht ausbildet. Wir stehen da in der Pflicht.“

 

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