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aus: Südwestpresse vom 13.08.2013

Das Leben nicht mehr im Griff

Immer häufiger fliegen Menschen aus ihrer Wohnung, weil sie in finanzielle Not geraten. Susanne Deininger von der Wohnraum-Präventionsstelle des Landkreises Neu-Ulm berichtet über ihre Arbeit.

Susanne_DeiningerSusanne Deininger berichtet über die Arbeit der Wohnraum-Präventionsstelle Neu-Ulm.

Noch vor der Sommerpause hat der Neu-Ulmer Kreistag Geld für zwei Stellen in der Wohnraum-Prävention genehmigt. Das Diakonische Werk und die Caritas teilen sich diese Aufgabe künftig. Weil günstige Wohnungen fehlen und der soziale Wohnungsbau brach liegt, gebe es kaum Chancen auf eine neue Bleibe etwa für Menschen, die wegen wirtschaftlicher Not ihre Wohnung verlassen müssten, berichtete Landrat Erich Josef Geßner damals.

Die Stellen könnten aber das Grundproblem nicht beseitigen: In den Gemeinden müsse gebaut werden, um den Wohnungsmarkt zu entspannen. Die Hilfesuchenden selbst seien mit ihrer Lebenssituation oft restlos überfordert und nähmen die von der Wohnraum-Präventionsstelle angebotene Hilfe meist dankbar an, erzählt Susanne Deininger von der Diakonie in Neu-Ulm. Mietschulden seien häufig nur die Spitze des Eisbergs. Vier Beispiele geben einen Einblick in den Alltag der Arbeit der Hilfseinrichtung.

Frau G.: Der Vermieter kam auf die Präventionsstelle des Landkreises zu, weil G. seit Monaten keine Miete mehr bezahlte. Wenn diesen Monat wieder keine Mietzahlung eingeht, müsse er die Wohnung kündigen. Die Präventionsstelle schrieb die Betroffene an und kündigte einen Hausbesuch an. Dabei stellte sich heraus, dass die Frau 30 Jahre in der gleichen Firma gearbeitet hatte und 2012 entlassen worden war, weil sie sehr oft krank gewesen ist. Sie erhielt ein Jahr Arbeitslosengeld. Aus Scham oder Unwissenheit versäumte sie es, nach diesem Jahr Hartz-IV-Leistungen zu beantragen. Sie bewarb sich und hoffte auf eine neue Arbeitsstelle - vergebens. Die Präventionsstelle ging mit ihr zum Jobcenter, half beim Antrag und auch dabei, die benötigten Unterlagen zu beschaffen. Die Miete und die monatlichen Ratenzahlungen zur Reduzierung der Mietschulden werden seither direkt vom Jobcenter überwiesen.

Frau L.: Auch in diesem Fall meldete sich der Vermieter, eine Wohnungsbaugesellschaft, weil keine Mietzahlungen mehr eingingen. Die Frau ist alleinerziehend mit vier Kindern. Beim Hausbesuch stellte sich heraus, dass sie zwar im Jobcenter einen Antrag auf Hartz-IV-Zahlungen gestellt hatte, dass aber noch Unterlagen fehlten. Das Jobcenter hatte sie angeschrieben, sie hatte die Schreiben jedoch nicht gelesen. Briefe der letzten zwei Jahre lagen auf dem Küchentisch, großteils ungeöffnet. Geht aber nicht innerhalb einer Frist eine Antwort ein, wird wegen "fehlender Mitwirkung" nicht mehr gezahlt. Die Frau wusste sich nicht zu helfen. Sie bekam Kindergeld, das reichte gerade so zum Leben, aber nicht für die Miete. Die Präventionsstelle half bei der Beschaffung der fehlenden Unterlagen. L. erhält heute Hartz IV. Die Miete wird direkt über das Kindergeld überwiesen, die Ratenzahlung ebenfalls. Und es gibt eine verbindliche Vereinbarung, dass sich der Vermieter direkt bei der Präventionsstelle meldet, sollte die Miete mehr als eine Woche ausbleiben.

Herr K. kam selbst in die offene Sprechstunde der Präventionsstelle in Neu-Ulm. Er hatte eine Räumungsklage vom Amtsgericht Neu-Ulm und mit dem Schreiben auch einen Flyer der Beratungsstelle erhalten, den das Gericht in solchen Fällen beilegt. K. hatte bis vor zwei Jahren gearbeitet. Nach mehreren schweren Schicksalsschlägen kündigte er seine Arbeitsstelle und lebte von den Ersparnissen. Als die aufgebraucht waren, stellte er die Mietzahlungen ein. Die Präventionsstelle half beim Hartz-IV-Antrag. Und weil er einen sehr angeschlagenen Eindruck hinterließ und einverstanden war, steht ihm jetzt ein Berufsbetreuer zur Seite, wenn es um Wohnungs- und Behördenangelegenheiten geht.

Frau S. wurde von einer anderen Beratungsstelle an die Präventionsstelle verwiesen. Sie hatte bereits eine Kündigung für ihre Wohnung erhalten, weil diese massiv vermüllt war. Die Frau hatte schwere psychische Probleme und war nicht mehr in der Lage, ihre Wohnung aufzuräumen und den Müll zu entsorgen. Die Präventionsstelle begleitete sie zum zuständigen Arzt, der eine schwere Depression feststellte. Ihre persönliche Situation konnte durch ambulant betreutes Wohnen stabilisiert werden. Mitarbeiter der Diakonie kommen wöchentlich ein- bis zweimal in die Wohnung und helfen.

Info Die Präventionsstelle der Diakonie hat ihren Sitz in der Eckstraße 25 in Neu-Ulm.

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