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aus: Südwest Presse vom 16.04.2014 von  THALIA VOLLSTEDT
 

Glücksspielsucht : In Neu-Ulm viele Spielautomaten

Glücksspielsucht ist ein Thema, das die Suchtberatung in Neu-Ulm immer stärker beschäftigt. Das geht aus dem Jahresbericht 2013 hervor. Zunehmende Brisanz hat aber auch der Bereich Alkoholsucht im Alter.

603 Menschen haben im Jahr 2013 bei der Suchtberatung Neu-Ulm Hilfe gesucht. Betreut wurden sie in insgesamt 3306 Einzel- und Gruppengesprächen. Dies sind die Zahlen aus dem Jahresbericht 2013, den die Suchtberatungsstelle der Diakonie Neu-Ulm kürzlich vorgestellt hat. Die Organisation bietet Beratung, Begleitung, ambulante Therapie und Vermittlung an stationäre Behandlungsangebote sowie eine Nachsorge bei Alkohol-, Medikamenten- oder Glücksspielsucht.

89 Personen haben wegen letzterer bei der Beratungsstelle Hilfe gesucht - das sind 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor, machte Christin Krieger, die Leiterin der Fachstelle, auf ein zunehmendes Problem aufmerksam.

Die Verführung ist laut Christin Krieger in Neu-Ulm besonders groß: Hier kommt statistisch gesehen ein Spielautomat auf 161 Einwohner, im restlichen Bayern sind es 321 Einwohner. An Bedeutung gewännen auch Sportwetten in Wettbüros und im Internet.

Auch auf dem Gebiet der Angehörigenarbeit ist die Zahl der Hilfesuchenden von 88 (Vorjahr) auf 99 gestiegen. Die verstärkte Nachfrage hat dazu geführt, dass es seit März eine eigene Angehörigengruppe gibt. Das Besondere an dieser Gruppe sei, dass sie eine dauerhafte Einrichtung ist, erklärt die dafür zuständige Karola Steiger. Ihr geht es darum, die Angehörigen von der Stigmatisierung zu befreien, als die eine Sucht oft wahrgenommen wird, und in den betroffenen Familien "gesündere Strukturierungen wiederherzustellen" und den Abhängigen "die Verantwortung wiederzugeben."

Das Jahresthema 2013 sei "Sucht im Alter" gewesen, berichtet die Leiterin der Suchtberatung, Renate Janik. Dass es ein wichtiges Thema ist, lässt sich mit der steigenden Zahl an Hilfesuchenden begründen: Hatten sich im Jahr 2009 noch insgesamt 30 Menschen über 60 an die Suchtberatung Neu-Ulm gewandt, waren es 2013 bereits 53. Laut Janik besteht im Alter eine erhöhte Suchtgefährdung: Alkohol etwa könne durch die veränderte Körperphysiologie schneller und massiver wirken. Zudem werde die Sucht selbst vom Fachpersonal seltener erkannt. Hilfe bleibe aus, weil die Meinung besteht, dass man ohnehin nichts tun könne.

Tatsächlich, so Renate Janik weiter, seien die Prognosen für einen Therapieerfolg bei Sucht im Alter gut. "Die Menschen profitieren von Suchttherapien - auch im letzten Lebensabschnitt." Allerdings macht sie deutlich, dass es hier besondere Anforderungen gebe: So sei es unabdingbar, das soziale Umfeld einzubeziehen. Es gebe medizinisches Fachpersonal und genügend Kontakte zu Heimen oder betreutem Wohnen.

Auch müssten bei einer Sucht oft besondere Umstände wie häufigere körperliche Erkrankungen und zusätzliche Belastungen wie der Verlust des Lebenspartners berücksichtigt werden. Der Aufwand sei umso größer und erfordere für eine "adäquate, spezifische Behandlung" zusätzliche Mittel und geschultes Personal. Ein entsprechender Fortbildungs-Antrag sei bereits beim Bezirk Schwaben gestellt worden, sagt Renate Janik. Sie rechnet damit, dass konkrete Gespräche im Mai beginnen.

Info
Die Suchtberatung hat ihren Sitz in der Eckstraße 25 in Neu-Ulm, erreichbar ist sie auch unter Tel. (0731) 704 78 50. Es gibt auch eine Außenstelle in der Robert-Koch-Straße in Illertissen, die montags und donnerstags ganztags besetzt und unter Tel. (07303) 704 78 56 erreichbar ist. Die Beratung ist kostenlos.

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