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aus: Südwest Presse vom 23.12.2013 von Kerstin Auerhammer
 

Der Sinn von Heiligabend

An Heiligabend hat der Barfüßer in Neu-Ulm geschlossen, zumindest für den normalen Betrieb. In der Küche regt sich dennoch etwas. Fünf Menschen werkeln Hand in Hand, rühren in Töpfen und richten Teller an.

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Viele der freiwilligen Helfer unterstützen die "Herberge" der Diakonie schon von Anfang an.
Seit fünf Jahren findet sie im Barfüßer Neu-Ulm statt. Foto: Matthias Kessler

An Heiligabend hat der Barfüßer in Neu-Ulm geschlossen, zumindest für den normalen Betrieb. In der Küche regt sich dennoch etwas. Fünf Menschen werkeln Hand in Hand, rühren in Töpfen und richten Teller an. Es sind der Gastronom Ebbo Riedmüller, seine Frau Charlotte, seine Schwester Renate Krüger und ihr Mann sowie der Koch Bernhard "Bembe" Böhm. Gut 200 Essen werden sie an diesem Tag ausgeben - und zwar kostenlos, an bedürftige und psychisch kranke Menschen.

"Es war vor fünf Jahren", erinnert sich Charlotte Riedmüller. "Die Diakonie Neu-Ulm kam damals auf meinen Mann zu. Sie hatte jedes Jahr an Heiligabend ein Essen für Bedürftige organisiert. Da aber immer mehr kamen, wurde der Platz im Dekanatssaal zu eng." Heike Bayer, bei der Diakonie für Sozialarbeit und Harz IV zuständig, klopfte bei Ebbo Riedmüller an. Und der sagte spontan zu, nicht nur den großen Saal des Barfüßers zur Verfügung zu stellen, sondern sich auch gleich noch ums Essen zu kümmern, das in den Jahren davor von einem Caterer geliefert wurde.

EIN STÜCK LUXUS FÜR BEDÜRFTIGE

In den vergangenen Jahren wurden unter anderem Gulasch, Geschnetzeltes oder auch einmal ein Braten serviert. Vielleicht nicht gerade das Essen, das in anderen Familien auf den Tisch kommt, aber - so die Organisatoren - "unsere Gäste genießen diese Mahlzeiten, für sie ist das ein Stück Luxus." Auch die Getränke sind selbstverständlich gratis - Alkoholisches ist allerdings tabu. Stattdessen zaubern die Helfer einen alkoholfreien Punsch, mit dem die Gäste anstoßen können. Doch bei der "Diakonie-Herberge" geht es um mehr als nur um Essen und Trinken. "Dekanin Gabriele Burmann hält eine kurze Andacht, und beim gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern kommt feierliche Stimmung auf", beschreibt Heike Bayer. Für sie ist die Unterstützung der Riedmüllers ein wahrer Glücksfall. "Das Restaurant liegt zentral, bietet genau die richtige Infrastruktur und natürlich ist auch die Hilfe in der Küche eine Riesenerleichterung."

"WIR GEBEN GERNE ETWAS ZURÜCK"

Charlotte Riedmüller sieht die Unterstützung der "Herberge" als selbstverständlich an. "Wir haben selbst genug und geben gerne etwas zurück. Außerdem habe ich in den letzten Jahren beobachtet, dass ich fünf Mal mehr mit nach Hause nehme, als ich gebe. Heiligabend hat seither einen Sinn für mich." Auch ihre Schwägerin Renate Krüger sieht das ähnlich: "Wir haben das ganze Jahr Gelegenheit zum Feiern, diese Menschen nicht. Sie sollen wenigstens einen schönen Abend im Jahr haben." Das "Herberge"-Team der Diakonie besteht aus rund 25 Freiwilligen, angefangen hat Heike Bayer vor elf Jahren mit zwölf Ehrenamtlichen und acht Gästen. "Einige Helfer sind von Anfang an dabei und kommen jedes Jahr wieder, das freut mich sehr." Am Ende des Abends bekommen alle Gäste noch eine Geschenketüte. Darin finden sich unter anderem Leckereien wie Äpfel, Orangen und Lebkuchen, aber auch Nützliches wie Hygieneartikel oder eine Zahnbürste. Für die Kinder ist auch ein Spielzeug dabei.

Wenn alle "Herberge"-Gäste gegangen sind, wird im Barfüßer noch nicht das Licht ausgemacht. "Wir müssen noch aufräumen", sagt Charlotte Riedmüller. "Schließlich ist am nächsten Tag wieder business as usual." Die Tische werden in die richtige Position gebracht, die Spülmaschine ausgeräumt und Kerzen auf den Tischdecken verteilt. Danach sitzen die Riedmüllers und die Krügers meist noch ein Stündchen zusammen und feiern. Weihnachten mit der Familie eben.

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Die Tische werden festlich eingedeckt. Foto: Diakonie Neu-Ulm

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