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aus: Südwest Presse vom 24.10.2014 von CLAUDIA SCHÄFER
 

Podiumsdiskussion: Depressive Erkrankungen heute besser akzeptiert

Für die bessere Versorgung psychisch Kranker braucht es mehr Mut zu Modellprojekten, eine flexiblere Finanzierung und bezahlbaren Wohnraum. Darin waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion einig.

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Foto: C. Schäfer

Thomas Becker: Viele psychisch Kranke haben Wohnungsprobleme.

Rund 100 Fachleute und Interessierte aus dem Bereich der ambulanten und stationären Dienste kamen im Kloster Roggenburg beim dritten Forum des Gemeindepsychiatrischen Verbundes (GPV) Günzburg/Neu-Ulm zusammen. Alle Teilnehmer einer Podiumsdiskussion, darunter Professor Thomas Becker, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Ulm, waren sich über positive Entwicklungen der vergangenen Jahre einig. Die Sensibilität gegenüber psychischen Krankheiten sei höher, die Vernetzung der Fachleute untereinander besser. Depressive Erkrankungen würde besser akzeptiert als früher, sagte Becker, bei schweren Krankheiten wie Psychosen gingen die Menschen aber klar auf Distanz.

Becker appellierte an alle Verantwortlichen, die Chancen von Modellprojekten zu erkennen. Das System sei in Bewegung, privaten Unternehmen komme eine immer größere Rolle bei der Versorgung zu. Zwar gebe es dabei das Risiko der "Unübersichtlichkeit", aber die positiven Effekte der Vielfalt seien höher zu bewerten. Die Versorgung psychisch Kranker müsse nicht krankenhauslastig sein, betonte der Mediziner. So sei vorstellbar, dass der Sozialpsychiatrische Dienst (SPDI) Betten für die Kurzzeitversorgung bereitstellt.

Positiv wertete Familientherapeutin Susanne Kilian die "sprunghaft gestiegene Aufmerksamkeit" für die Situation der Kinder psychisch kranker Eltern. Noch vor zehn Jahren sei das kein Thema gewesen. Beifall bekam sie für ihren Vorschlag, bei guten Präventionsprojekten keine Finanzierungshürden aufzubauen. "Dass solche Projekte notwendig sind, zeigen die Zahlen derer, die dabei sind."

Die generelle Frage, wie sich die Versorgung psychisch Kranker finanzieren lässt, beschäftigte sämtliche Podiumsteilnehmer. Maximilian Monzer als Vertreter des Bezirks Schwaben hob die Erfolge des Bezirks beim Ausbau von Tagesstätten, ambulant betreuten Wohnungen und sozialen Diensten hervor. Doch gehe es auch um Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Und es gebe Schwierigkeiten, bei der Finanzierung alles sauber aufzuteilen zwischen Krankenkassen, Bezirk und anderen Stellen. So hemme die Frage nach dem Geld den Aufbau von Angeboten wie einem Krisendienst, sagte Monzer.

Für mehr Flexibilität bei der Finanzierung plädierte Britta Walther vom Bezirkskrankenhaus Günzburg: "Man kann doch Leute und ihre Probleme nicht auf zwei Geldtöpfe aufteilen." Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel stelle sich die Frage, wie alles das ökonomisch zu schultern sei und wie die "ethisch-moralische Diskussion" geführt werde.

"Eindeutig mehr" getan werden muss laut Thomas Becker bei der Hilfe für Menschen mit Migrationshintergrund oder problematischen Wohnverhältnissen. Auf die Frage einer Zuhörerin sagte Becker, jeder siebte psychisch Kranke stecke in einer schwierigen Wohnsituation. Maximilian Monzer vom Bezirk gab zu, "an Grenzen zu stoßen". Das "brennende Problem" des Wohnungsmangels treffe gerade psychisch Kranke hart, das wisse nicht nur der GPV Günzburg/Neu-Ulm. Wichtig sei ein gesellschaftlicher Wandel. Monzer: "Wir müssen bereit sein, Menschen am Rande der Gesellschaft einzubinden. Da gibt es noch viel zu tun."

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